Vom Stress, den Grenzen und den Prioritäten

Vom Stress, den Grenzen und den Prioritäten

Viele Menschen, die erfahren, dass ich einen Organisationsblog für Haushalt, Büro und Alltag führe, äußern spontan, dass dann mein Büro und mein Haushalt sicher immer perfekt sind. (Wenn ich allerdings erzähle, dass ich Rezepte blogge, denkt niemand, dass 3-Gänge-Menüs bei uns die Regel sind - seltsam, oder?) Ich bin dann immer ein bisschen ratlos, was ich darauf erwidern soll, denn ja, immer aufgeräumt und gut organisiert ist mein Haushalt und mein Büro schon - von perfekt bin ich allerdings weit entfernt.

 

Das macht auch gar nichts, denn gute Organisation beeinhaltet auch das Weglassen und das Setzen von Prioritäten

 

So ist es meiner Meinung nach in Ordnung, wenn die Bettwäsche nicht wöchentlich gewechselt wird, ein Kleidungsstück nicht nach jedem Tragen in die Waschmaschine kommt, ein Essen auch am nächsten Tag noch mal serviert wird, meine Kinder nicht selbstverständlich überall hingefahren und abgeholt werden oder ich im Büro nicht durchgehend per E-Mail erreichbar bin. Im Gegenteil, manches, was in unserem Kulturkreis in dieser Hinsicht üblich ist, empfinde ich als Zeit-, Energie- und Ressourcenverschwendung.

Trotzdem kommt es oft vor, dass ich das Gefühl habe, viel zu wenig Zeit zu haben. Ich müsste doch unbedingt noch mal etwas auf Facebook posten, auf Kommentare reagieren, dringend einen Blogartikel schreiben, auf Pinterest pinnen, endlich die Bettwäsche wechseln, mit dem neuen Auftrag anfangen und joggen gehen ... Das Erstaunliche dabei ist, wie sich die von mir gesetzten Grundsätze zum Zeitmanagement von selbst und unbemerkt verschieben. Da ist das Gefühl Stress zu haben dann bald nicht mehr weit ;).

 

Mein Körper hat da allerdings eine Notbremse eingebaut. Wenn ich es alleine nicht schaffe, mich zu Entspannen und die Prioritäten mehr auf Freizeit und Freunde zu verschieben, legt er mich einfach lahm. Ich bekomme dann Kopfschmerzen, die verknüpft mit Kreislaufproblemen, dafür sorgen, dass ich mich aufs Sofa lege und zwangsläufig einsehe, dass ein bisschen Staub auf dem Boden niemanden umbringt und Social Media auch ohne mich auskommt. Langsam wächst denn auch die Erkenntnis, dass Grenzen und Prioritäten nicht nur sinnvoll gesetzt, sondern auch immer wieder überprüft werden müssen.

 

Es gibt mehrere Auslöser für diese Kopfschmerzen, aber Stress (und zwar subjektiv empfundener) spielt bei mir dabei fast immer eine wichtige Rolle. Natürlich bin ich gar nicht begeistert davon, wenn es mal wieder soweit ist. Warum habe ich nicht auf mein Gefühl gehört und es einfach lockerer angehen lassen? Das ärgert mich und macht die Kopfschmerzen kein bisschen besser, im Gegenteil ;)

 

Nach den Kopfwehattacken bin ich übrigens immer sehr entspannt und voller Lebensfreude. "Es ist so schön, wenn der Schmerz nachlässt", ist zwar eine blöde Floskel, aber es stimmt. Außerdem schaffe ich es danach, die nächsten Wochen wieder aufmerksamer zu sein und selbst die Stressbremse einzulegen :). 

 

Und das ist es, was mir am Schild meiner Nachbarin (Titelbild oben) so gefällt. Es hilft, die eigenen Ansprüche (und wahrscheinlich auch die der Besucher) nicht unnötig wachsen zu lassen - damit Stress weniger Chance hat.

 

Und was stresst Sie und wie gehen Sie damit um?


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Kommentare: 2
  • #1

    Anne (Samstag, 27 Januar 2018 18:20)

    Haushaltsbewältigung ist Sisiphosarbeit und wir sind alle kleine Hamster im Laufrad. Am ehesten entstresst mich ein gutes Buch auf der Couch. Faulsein quasi. Das ist jetzt leider die Wahrheit. Und ein Spaziergang mit Sabine

  • #2

    Organisation mit Sabine (Samstag, 27 Januar 2018 18:26)

    Ja, zum Spazieren gehen (alleine oder mit Freunden) sollte immer Zeit sein - Mittwoch?
    Sabine