6 Tipps für den Umgang mit Geld vom Profi (Organisation Haushalt)

Meine Freundin Anne ist Schuldnerberaterin und sie verrät uns in diesem Gastbeitrag unter anderem ihre 6 Profi-Tipps. Der Umgang mit Geld ist für eine gute Organisation des Haushalts wichtig, und deshalb ist dieser Beitrag der erste einer Reihe Beiträge zu diesem Thema.

 

„Schreib doch mal was über Umgang mit Geld für meinen Blog“- so ungefähr lautete Sabines Anfrage. Einerseits ist mir das Thema wichtig, andererseits zögere ich vor mich hin…

 

Zögern hauptsächlich wohl deshalb, weil ich selber nicht gerade sehr toll „mit Geld umgehen“ kann und mich praktisch auch im „Selbstversuch“ befinde und mich immer wieder mal frage, wo die ganze Kohle denn so hingeht …

 

Beruflich rede ich über Geld und Schulden und berate Menschen mit wenig Geld, sogenannte einkommensschwache Haushalte und Menschen, die sich in der „Überschuldung“ befinden - d. h. Finanzierungen bzw. Kredite können nicht mehr zurückgezahlt werden oder die „nix geht mehr“ Situation steht bevor, die „Zahlungsunfähigkeit“.

 

Mit Geld richtig haushalten ist schwierig - und je weniger davon da ist, umso schwieriger wird’s (was jetzt keine große Überraschung ist). Trotzdem gibt es ein paar klassische Handwerkszeuge, um das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen. Das schadet auch nicht in Haushalten, in denen Geld nicht zu dem Sorgenthemen gehört.

Wofür wir Geld ausgeben hängt von vielen Faktoren ab.

 

Das Familienklima in unserer Kindheit spielt eine große Rolle. Wurde in der Familie über Geld gesprochen? War es ein bedrückendes Dauerthema? War Geld kein Thema? Wurde „über den Verhältnissen“ gelebt? In der Kindheit und in der Jugend entstehen Einstellungen und Prägungen zum Umgang mit Geld. Sind Statussymbole (Auto, Haus, Urlaubsreisen, Einrichtung…) wichtig? Welche Werte wurden vermittelt? Die aktuelle Beziehungskonstellation bzw. die familiäre Situation tut jetzt ein Übriges. Ansprüchen des Partners, der Kinder, der Schwiegereltern usw. zu entsprechen bringt häufig ein „über die Verhältnisse leben“ mit sich. Ich gehe davon aus, dass es genauso schwierig ist, den Umgang mit Geld zu ändern, wie das Essverhalten oder das Bewegungsverhalten. Auch hier sind die Probleme erkannt, doch eine längerfristige Änderung ist ein echtes Projekt und geht hauptsächlich über Verhalten - kleine Schritte im Bewusstwerden der Stolpersteine

 

Strukturen sind wichtig (da gebe ich Sabine recht)! Und das ist die „To do“ Liste:

6 Tipps für den besseren Umgang mit Geld

1. Haushaltsplan

Hier werden alle Einnahmen/Ausgaben erfasst, die im Durchschnitt auf den Haushalt zukommen. Erfasst werden Miete, Nebenkosten, Strom, Telefon, Versicherungen, Raten, Finanzierungen, Benzin, Schule, Vereine usw …

 

Es zählt der monatliche Durchschnittswert, nicht der Monat, in dem die Zahlung tatsächlich fällig wird. Ein erster Anhaltspunkt, was im Schnitt für Lebensmittel, Kleidung, Freizeit usw. übrig bleibt.

 

Klingt selbstverständlich, kann aber kaum jemand auf Anhieb beantworten. Sehr theoretisch kann man hier auch einen Ansparbetrag angeben, für Reparaturen, Möbel, Elektrogeräte, Urlaub, also alles, was den normalen Rahmen sprengt. Zum Runterladen:  www.meine-schulden.de

2. Haushaltsbuch

Drei Monate lang (mindestens) alle Ausgaben notieren. Danach kann man Ausgaben gut einschätzen. Ausgaben für Lebensmittel werden oft überschätzt. Die Wahrheit sagen: auch Zigaretten, Handyverträge, Geschenke, Freizeit und Kosten für Tierhaltung erfassen. Wird gnadenlos unterschätzt.

 

Zum bestellen: www.geldundhaushalt.de. Hier gibt’s auch andere gute Ratgeber, kostet nix.

 

Im world wide web gibt’s da ebenfalls viele Vorlagen, man kann ein Haushaltsbuch natürlich elektronisch führen - persönlich ist mir die Papierform lieber (vielleicht weil ich da meinen Vater im Ohr habe, der sagen würde „nimm einen Bleistift in d´Hand“, soviel zum Thema „Prägung“)

3. Jahresplan

Hier wird eingetragen, in welchem Monat größere Zahlungen fällig werden: Versicherungen, Stromabschlag, GEZ usw. Viele Versicherungen buchen Versicherungsbeiträge auch monatlich ab - erleichtert die Planung des Monats sehr.

4. Mit Bargeld zahlen

Klingt wie aus einer anderen Zeit - bei einkommensniedrigen Haushalten aber sehr wichtig, da Kartenzahlung das Bewusstsein für den Wert des Geldes entfremdet. Das sag ich jetzt mal so.

5. Finanzielle Hilfen, wenn Geld ein Sorgenthema ist

Klären, ob Gehaltsaufstockungen durch Alg II (HartzIV) möglich sind. „Aufgestockt“ werden können auch Einkünfte aus selbstständiger Arbeit, Renten, Krankengeldbezüge … In den Jobcentren können Sie berechnen lassen, ob ein Anspruch besteht. Auch Leute, die ein Eigenheim haben, können aufstocken.

 

Antrag auf Wohngeld (Landratsamt, Stadtverwaltung) oder Kinderzuschlag (Familienkasse) kann Sinn machen, wenn das Einkommen die Arbeitslosengeld II Grenze knapp über- oder unterschreitet.

 

Rat finden Sie auch bei den Stellen für allgemeine Sozialberatung (ASB, z.B. Diakonie, Caritas) und Schuldnerberatungsstellen.

 

Rechenbeispiel:

 

Eine Familie mit 2 Kindern, 8 und 12 Jahre alt hat Anspruch auf 1254,00 € Regelsatz monatlich. Der Regelsatz umfasst Lebensmittel, Kleidung, Strom, Versicherungen, Anschaffungen z. B. Elektrogeräte, Freizeit, Drogerieartikel…). Dazu kommt der sogenannte KdU Satz: Kosten für Unterkunft und Heizung. Hier wird die Miete übernommen bis zu einer bestimmten Grenze, die wohnortsabhängig ist. Auf dem Land niedriger als in der Stadt, die Landkreise variieren ebenfalls. Manchmal wird die reale Miete und die Heizkosten (Strom ist Regelsatz) übernommen, wenn man das Glück hat, einigermaßen günstig zu wohnen. Manchmal muss man aus dem Regelsatz zuzahlen, da fangen die Probleme dann spätestens an. Weiter angeknabbert wird der Regelsatz durch oft irre hohe Stromkosten (alte Geräte, Heizen mit Strom, Nachtspeicheröfen …). Auch Handyverträge und Rauchen knabbern manchmal weiter… Das „am Rande der Gesellschaft stehen“ bedingt oft auch einen ungesunden Lebensstil. Nicht dabei sein können, bei den „erfolgreich Erwerbstätigen“ macht kaputt.

 

Kindergeld wird immer eingerechnet, für Einkommen gibt’s Freibeträge, da ja dann oft auch ein Fahrzeug benötigt wird, d. h. man hat ja meist höhere Kosten durch die Berufstätigkeit. Familien können zusätzlich Leistungen aus dem Kinderteilhabepaket beantragen, z. B. für Schulfahrten, Schulmaterial, Sportverein.

 

Und nein, man kann sich mit HartzIV nicht die Zähne schön sanieren lassen oder schicke Brillen erwerben. Das zahlt nicht das Jobcenter. Auch nicht die Autoversicherung oder die Autorechnung - das gehört in den Regelsatz und muss „angespart“ werden. Wer sich genauer dafür interessiert: www.HartzIV.org

 

In dem Zusammenhang taucht häufiger die Frage auf, insbesondere bei Familien, ob die monatlichen Ausgaben „normal“ sind. Gehen wir von der 4-köpfigen Familie aus:

 

Wenn Sie für Lebensmittel ca. 600,00 € benötigen, für Strom ca. 100,00 € monatlich, für Kleidung ca. 100,00 € im Schnitt, 50,00 € für Festnetz und ein Handy, 50,00 € für Freizeit, 50,00 € für Versicherungen, dann leben Sie absolut sparsam. Das entspricht den Berechnungen des Alg II Regelsatzes. Wenn Sie mehr zur Verfügung haben und 500,00 € mehr für diese Dinge brauchen ist das normal, deswegen hauen Sie nicht auf den Putz.

6. Über Geld reden

Das kann schwieriger sein als ein Haushaltsbuch führen. Und gehört zu den ganz großen Konfliktthemen in Beziehungen. Paare in Trennung geben als Hauptgründe für die Trennung Probleme in der Sexualität oder Streit ums Geld an. Hier spielen wieder die Ansprüche eine große Rolle, von Wohnungseinrichtung bis Auto. Auch über die Schuldfrage, wenn das Geld nicht reicht, wird dann viel gestritten. Insbesondere Kinder leiden sehr unter dem Streit ums Geld. Und unter dem Geldmangel, wenn man die 5 € Kopiergeld nicht in die Schule mitbringen kann und kein Geld für neue Turnschuhe da ist. Aber das führt woanders hin, und zwar dahin, wo zu wenig Geld haben echt weh tut. Wir waren ja bei „über Geld reden“ - aber wie gesagt, da ist es sehr schwierig, die Emotion rauszunehmen und falls ich hier ein Patentrezept finde, werde ich das selbstverständlich in der Welt verbreiten.

Und das muss jetzt auch noch gesagt werden

Wenn Sie in ernsten finanziellen Schwierigkeiten sind, hilft die Schuldnerberatung. Besonders wenn Ihnen ein gerichtlicher Mahnbescheid, ein Pfändungs- und Überweisungsbeschluss ins Haus flattert oder der Gerichtsvollzieher vorbeischaut, spätestens dann …


Vielen Dank für Deinen tollen Beitrag, liebe Anne!


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Kommentare: 3
  • #1

    Barbara (Donnerstag, 27 August 2015 10:18)

    Ein toller Beitrag zu einem sehr wichtigen Thema - vielen Dank dafür!

  • #2

    Lidja (Mittwoch, 02 September 2015 10:23)

    Wichtiges Thema! Vielen Dank für den tollen Beitrag! Hoffentlich lesen den viele, viele Leute!!

  • #3

    Katharina (Sonntag, 06 September 2015 08:38)

    Sehr informativer und interessanter Beitrag. Werde die Tipps (Haushaltsbuch) mit nem Stift in der Hand ausprobieren.