Alles erledigt? - Von der Notwendigkeit Nein zu sagen

"Alles erledigt? - Die große Sehnsucht nach Ruhe" lautet die Überschrift eines Artikel auf Seite 1 der vorletzten Ausgabe der Zeit 2014. Der Autor (Heinrich Wefing) gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem üblichen Wahnsinn am Jahresende sich die Hektik um Weihnachten ein bisschen legt. "Und plötzlich merkt man, wie müde man ist, wie erledigt, gleich einem Marathonläufer auf den letzten Metern. Der ganze Körper ruft nach Ruhe, Ruhe, Ruhe! ... Wir fahren fast permanent in Überlast." Der Artikel endet mit dem Wunsch einer guten Erholung an die Leser, "... denn das Jahr wird viel Arbeit machen. Arbeit, für die wir hellwach sein müssen, geistesgegenwärtig und einfallsreich".


Schnell erholen, damit wir dann wieder fit für den alltäglichen Wahnsinn sind?


Wahrscheinlich hat der Autor die Situation der meisten Deutschen in diesem Artikel gut beschrieben, denn 57% der Teilnehmer einer Forsa-Studie nannten als wichtigsten Vorsatz für 2015 "Stress vermeiden und abbauen".

Mein Stresslevel stieg vor allem beim Lesen dieses Artikels. Es zwingt uns doch niemand dazu, vielerlei Sorten Plätzchen zu backen, Weihnachtsfeiern zu besuchen, permanent Überstunden zu machen, Kinder dauernd umherzukutschieren, stundenlang im Internet zu stöbern - und den ganzen Abend fernzusehen. Das tun wir doch mehr oder weniger freiwillig! Wir bestimmen selbst, wie wir unser Leben verbringen.

 

Die eigentliche Frage doch ist also: Wollen wir wirklich mehr Zeit? Sind wir sicher, dass wir Zeit übrig haben wollen? Vielleicht wissen wir gar nichts damit anzufangen und fühlen uns plötzlich nicht mehr wichtig. Wer wenig zu tun hat, wird vielleicht einfach nicht gebraucht?

So ähnlich habe ich das auch bei einer Recherche zum Zeitmanagement gelesen ("Wollen Sie wirklich mehr Zeit?" Zeitzuleben). Ich war richtig glücklich über diesen kleinen Absatz - man liest ja immer gern, was man selbst findet. ;-)


Wer also wirklich mehr Zeit und weniger Stress haben will, der muss seinen alltäglichen Wahnsinn überdenken! Zum Beispiel Fernsehen:

Die meisten Menschen sehen täglich mehrere Stunden fern. Dazu befragt, antworten die meisten "Ich habe ferngesehen, aber es hat sich nicht gelohnt". Trotzdem werden die Fernseher auch heute abend wieder benutzt - und wir werden danach nicht zufrieden sein. Denn: Fernsehen ist kurzfristig ein Vergnügen, das aber langfristig unzufrieden macht. Das legt zumindest eine Studie der Universität von Maryland nahe. Wer darüber nachdenkt, kommt sicherlich zum gleichen Ergebnis. Warum wird dann fleißig weitergeglotzt? Fernsehen entspannt, ist bequem, muss nicht im Voraus geplant werden und verlangt wenig Konzentration.

 

Es gibt viele Dinge, die wir immer wieder tun, obwohl wir wissen, dass sie uns nicht zufrieden machen. Der Zeitfresser Fernsehen gehört dazu, aber es gibt viele andere.

 

Bevor Sie sich also bequem auf den Wahnsinn zum Jahresende berufen, überlegen Sie, für was Sie zukünftig mehr Zeit haben wollen - und was Sie daran hindert. Dann sagen Sie unzufrieden machenden Automatismen den Kampf an. Denn: Sie werden nie Zeit für alles haben. Entscheiden Sie deshalb, was liegenbleiben soll.

Machen Sie es schriftlich! Legen Sie eine Not-to-do-Liste an.

Meine Not-to-do-Liste:

  • Fernsehen, ohne vorher im Programm eine Wahl zu treffen
  • Multitasking (außer bei einfachen Routinetätigkeiten)
  • Im Internet zu viel Zeit zu verbringen
  • Kleine Dinge nicht sofort zu entscheiden
  • Ja sagen und nein meinen
  • Auf Pausen verzichten
  • Immer erreichbar sein
  • E-Mail öfter als maximal zweimal täglich abzurufen
  • To-do-Listen und Not-to-do-Listen zu ernst nehmen ;-)


Viel Erfolg und kein Stress. ;-)


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Kommentare: 4
  • #1

    Cat (Montag, 05 Januar 2015 19:02)

    Ich liebe deine Not-To-Do-Liste! Eine tolle Anregung. Ich vermute, ich könnte die wenigsten Punkte davon am Tag abhaken. Grund genug, das mal zu auszutesten :-)
    Liebe Grüße

  • #2

    organisation-mit-sabine (Dienstag, 06 Januar 2015 16:42)

    Vielen Dank und viel Erfolg beim Testen!
    Liebe Grüße
    Sabine

  • #3

    !Lily (Dienstag, 20 Januar 2015 23:04)

    Eine Not-to-do-Liste ist doch Teil des Wahnsinns.

  • #4

    organisation-mit-sabine (Mittwoch, 21 Januar 2015 08:50)

    Das stimmt natürlich. In einer "besseren" Welt bräuchte man keine.