Aufschieberitis und Prokrastination - warum nicht gleich?

Aufschieberitis und Prokrastination - warum nicht gleich?
Nur nicht heute...

Im Januar hat Hans-Jürgen nie Zeit. Da muss er seine Kassenabrechnung für das vergangene Jahr nachholen. Das dauert eigentlich nur 2 - 3 Tage, da er die Abrechnung aber von einem Tag zum nächsten schiebt, hat er den ganzen Januar noch die Kassenabrechnung zu erledigen.

 

Ich brauche regelmäßig ein halbes Jahr, um meinen Vorsorgetermin beim Zahnarzt auszumachen und mache mir währenddessen (halbherzig) vor, einfach keine Zeit für das Telefonat zu haben.

 

Wir kennen das alle. Ungeliebte Aufgaben werden immer wieder auf "nachher" verschoben. Vor der Ablage muss noch ein Kaffee gekocht und ein "dringender" Telefonanruf erledigt werden. Aus nachher wird schnell morgen und dann übermorgen. Aufschieberitis nennt sich das.

 

Neue Studien gehen davon aus, dass fast jeder zweite Deutsche zum Aufschieben neigt. Ist die Aufschieberitis krankhaft ausgeprägt, sprechen Psychologen von Prokrastination (lateinisch procrastinatio "für morgen").

 

Prof. Joseph Ferraris (DePaul University Chicago) hat in mehreren Studien herausgefunden, dass etwa 20% der Bevölkerung chronisch unter Prokrastination leiden.

Wie wirkt sich Aufschieberitis auf die Organisation im Büro und im Alltag aus? Und wann macht Aufschieberitis Sinn?

Aufschieberitis ist nicht immer nur schlecht

An manchen Tagen quälen wir uns mit den einfachsten Arbeiten und nichts klappt. Wer jetzt unbedingt seine ungeliebten Aufgaben in Angriff nehmen will, der wird eher scheitern. An solchen Tagen ist es dann tatsächlich besser, eine Aufgabe zu verschieben.

 

Ihre Freunde haben einen Besuch angekündigt? Da kann die Ablage auch mal auf morgen verschoben werden. Aufschieber sind eher bereit, kurzfristig Ihre Prioritäten zu ändern.

Aufschieberitis als Notbremse bei Überanstrengung

Das Unterbewusstsein schafft sich durch Aufschieberitis kleine Freiräume. Mit diesem Trick erschleicht sich unser innerer Schweinehund ab und zu eine Pause. Wirklich gesund und entspannend ist das allerdings nicht, schaffen Sie sich Freiräume lieber bewusst.

Aufschieberitis kann gegen übereilte Entscheidungen helfen

Manchmal ist es sinnvoller etwas aufzuschieben, weil die Zeit noch nicht reif dafür ist. Dann schützt Prokrastination vor Kurzschlusshandlungen und übereilten Entscheidungen. Am besten, Sie nehmen sich die Aufgabe dann erst gar nicht vor - und entscheiden erst, was zu tun ist. :-)

Aufschieber schaffen viel anderes

Meist ist der typische Aufschieber nicht faul, sondern räumt auf, putzt und erledigt den Einkauf - um sich nur ja nicht an den Schreibtisch setzen zu müssen und die Steuererklärung anzufangen. So werden viele, auch notwendige Tätigkeiten erledigt.

 

Das ist das Positive an Aufschieberitis: Wer viel aufschiebt, schafft auch viel!

Oder brauchen Sie den Druck, der durch Aufschieberitis entsteht?

Und glauben, nur dann gute Arbeit abzuliefern, wenn sie das Projekt auf den letzten Drücker erledigen? Brauchen Sie tatsächlich den Adrenalin-Kick oder haben Sie folgenden Fehlschluss gezogen?

 

Wer mehrere Projekte unter starkem Druck erfolgreich beendet hat, glaubt irgendwann, dass das Projekt nicht trotz des Aufschiebens sondern wegen des Aufschiebens erfolgreich war!

Aufschieberitis und die Organisation im Büro und im Alltag

Für die Organisation im Büro und im Alltag hat Aufschieberitis meist große Nachteile. Türmen sich die ungeliebten Aufgaben zu sehr, leidet das Arbeitsergebnis und die Zusammenarbeit mit anderen Menschen. Extreme Aufschieber kommen häufig zu spät, sind unvorbereitet und schlecht organisiert.

Auch für den Aufschieber selbst ist die Verzögerungstaktik kein Spaß: Es ist auf Dauer frustrierend nicht zu schaffen, was man sich vorgenommen hat. Prokrastination führt zu mehr Druck und Stress. Studien haben gezeigt, dass Prokrastinierer häufiger an Erkältungen, Grippe, Magenproblemen und Schlafstörungen leiden und einen höheren Alkoholkonsum haben.

Aufschieberitis hat auch manchmal Vorteile, aber meistens ist es besser ungeliebte Aufgaben gleich in Angriff zu nehmen. Die Vorteile der Aufschieberitis (zum Beispiel Überanstrengung vermeiden) können Sie durch bewusste Planung Ihrer Aufgaben einfacher und stressfreier erreichen.

 

Hans-Jürgen hat es übrigens geschafft. Er macht seine Kassenabrechnung jetzt immer schon am Ende der Woche. Ich glaube, er freut sich schon auf den Januar :-)

Und so bekommen Sie Ihre Aufschieberitis in den Griff:

 

5 Tipps gegen Aufschieberitis im Büro und Alltag

Interessante Links zum Thema:

 

Website zur Prokrastination mit den Ergebnissen einer umfangreichen Online-Umfrage

 

Prokrastinationsambulanz mit Selbsttest


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