So hilft Lächeln gegen Stress - Bleiben Sie sich selbst treu

Lächle und alles wird gut.

 

Das liest man in allen Ratgebern und auch ich dachte, dass Lächeln keinesfalls schaden kann - bis ich den Busfahrern begegnet bin.

 

Auch im Internet gilt lächeln als gesund.

 

Ich habe "lächeln ist ungesund" gegoogelt und nur für die dann vorgeschlagene Suche "lächeln ist gesund" Ergebnisse erhalten.

Lächle, lächle, lächle - macht jedes Lächeln glücklich?

Die Michigan State University führte eine Studie mit Busfahrern durch. Die Busfahrer wurden aufgefordert, ihre Fahrgäste mit einem Lächeln zu begrüßen.

 

Während sich die eine Gruppe zu einem künstlichen Lächeln zwang, lächelte die andere Gruppe durch Gedanken an schöne Erlebnisse und Freude oder indem sie ihre Situation wohlwollender betrachteten (das wird in der Psychologie "Tiefenhandeln" genannt). Die Studie zeigte, dass die Busfahrer, die durch Tiefenhandeln tatsächlich ihre Stimmung hoben, im Schnitt weniger oft erkrankten. Die andere Gruppe der Busfahrer, die mit einem unechten Lächeln ihre Fahrgäste begrüßten, fühlte sich emotional erschöpft.

 

Aber die Studie liefert auch Hinweise, dass selbst die Gruppe der Busfahrer, die durch Tiefenhandeln lächelte, sich auf Dauer entfremdet fühlt!

 

Ein erzwungenes Lächeln garantiert keine positiven Gefühle!

 

Das zeigen auch die Untersuchungen des Neuropsychologen Richard Davidson und seiner Kollegen Paul Ekman und Wallace Friesen. Die drei Forscher befassen sich seit über 20 Jahren mit dem Lachen und seinen emotionalen Ursachen. In mehreren Studien seit 1990 stellten sie fest, dass künstliches Lächeln mit Aktivitäten jener Gehirnregionen korreliert, die negative Gefühle erzeugen.

 

Herr Ekman hat auch herausgefunden, dass ein erzwungenes, oberflächliches Lächeln bei Studienteilnehmern, die an einer koronaren Herzkrankheit leiden, mit einer Unterversorgung des Herzens mit Sauerstoff einhergehen kann. Das kann sogar zum Herzinfarkt führen.

Dieter Zapf von der Universität Frankfurt untersuchte für seine Studie im Jahr 2005 etwa 4000 Personen. Über Experimente und Fragebögen fand er heraus, dass Dauerlächler besonders anfällig für Depressionen und Burnout sind.

 

Mitarbeiter von Callcentern und Stewardessen habe ich noch nie beneidet. Wer über solche Berufe nachdenkt, der spürt sofort den Stress des Dauerlächelns.

Ein erzwungenes Lächeln garantiert keine positiven Gefühle und kann sogar ungesund sein.

Wer den ganzen Tag lächelt, obwohl er schlecht gelaunt oder gar traurig ist, der fühlt sich am Abend ausgelaugt und entfremdet.

Zudem erkennen viele Menschen das falsche Minenspiel und fühlen sich getäuscht!

Gute Laune-Tipps - und wie Lächeln doch hilft!

Mundwinkel nach oben - Der Bleistifttrick

Menschen lächeln, wenn sie fröhlich sind. Doch offensichtlich kann Lächeln durchaus auch fröhlich machen. Sogar beim Essen einer Zitrone kommt bessere Laune auf, weil die Mundwinkel (unter anderem) nach oben gezogen werden. Sauer macht lustig - das sagte schon meine Oma. Doch woran liegt das?

 

"Der Gesichtsausdruck beeinflusst direkt die wahrgenommene Emotion", sagt Fritz Strack, Sozialpsychologe an der Universität Würzburg. Er und seine Kollegen haben das in einer Studie belegt: Die Versuchspersonen sollten sich Cartoons anzuschauen und die Witzigkeit bewerten. Dabei sollten sie einen Stift entweder quer oder längs im Mund halten. Die Comics wurden von den Versuchspersonen als witziger beurteilt, wenn der Stift quer im Mund war. Sie lächelten also ohne es zu merken und haben deshalb die Cartoons positiver bewertet. "Das funktioniert, ohne dass das Lächeln als solches erkannt wird", sagte Strack in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Noch stärker ist der Gute-Laune-Effekt, wenn nicht nur die Muskulatur der Wangen, sondern auch die um die Augen herum beteiligt ist.

 

Ähnliches lässt sich auch für den umgekehrten Fall zeigen: Wer die Stirn runzelt, also den Muskel zwischen den Augenbrauen anspannt, der findet Lustiges oft weniger amüsant. Laut Andreas Hennenlotter, Neuropsychologe am Münchner Klinikum rechts der Isar gibt es im Gehirn starke Verbindungen zwischen Bereichen, die Empfindungen aus der Gesichtsmuskulatur abbilden, und Bereichen, die für Gefühle zuständig sind. Wohl deshalb kann die gefühlte Mimik die entsprechende Emotion auslösen. Sogar, wenn man nur anderen beim Lächeln zusieht.

Dass gute Laune nicht nur ansteckend ist, sondern auch noch den Körper stärkt, zeigten die Studien von Prof. Willibald Ruch. Die Forschungsteilnehmer mussten 15 Minuten lang Sketche anschauen. Während eine Videokamera ihre Reaktionen filmte, mussten die Probanden ihre Hände in eiskaltes Wasser tauchen und den Kälteschmerz bewerten. Das Ergebnis: Menschen, die beherzt lachten, empfanden weit weniger Schmerz.

Augenrollen - und gleich geht´s besser

Vor ein paar Jahren war ich auf einem sehr beeindruckendem Vortrag von Sami Molcho. In Erinnerung geblieben ist mir ein Trick, den ich seitdem regelmäßig anwende. Ich freue mich jedesmal, was diese kleine Geste automatisch auslöst. Probieren Sie es aus: Rollen Sie mit den Pupillen im Kreis. Verdrehen Sie also Ihre Augen. Was passiert? Man muss automatisch lächeln!

 

Aber: Lassen Sie sich nicht erwischen, die meisten Menschen missverstehen augenverdrehende Mitmenschen. ;-)

Schlechte Laune - lächeln oder lieber nicht? Wie macht man es nun also richtig?

 

Versuchen Sie das Positive in Ihrem Leben zu sehen und ergründen Sie woher Ihre negativen Gefühle kommen - und was Sie dagegen tun können. Denn: Auch negative Gefühle wie zum Beispiel Trauer haben wichtige Funktionen.

 

Wer sich zum Dauerlächeln zwingt, muss mit negativen Auswirkungen rechnen. Es spricht aber nichts dagegen, bei schlechter Laune kleine Tricks zur Überlistung zu versuchen. Das sollte aber nicht zum Dauerzustand werden.

Fazit: Bleiben Sie sich selbst treu - dann ist Lächeln gesund!

Noch was zum Lachen?

 

Er: "Hier steht, dass Frauen doppelt so viel reden wie Männer." Sie: "Ja, weil Frauen immer alles zweimal sagen müssen." Er: "Was?"



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Kommentare: 1
  • #1

    Christiane (Mittwoch, 12 März 2014 10:03)

    Sehr interessant! - Ich denke auch, dass gezwungenes Lächeln anstrengend ist und unecht rüberkommt. "Tiefenhandeln" halte ich schon für sinnvoll, um z. B. unangenehme Situationen zu erleichtern - aber als Daueranwendung sicher auch fragwürdig.
    Liebe Grüße
    Christiane